Neudorf (Schubert-Neudorf) Vysoka

Ortsbeschreibung ca. aus dem Jahre 1930:

I. Lage,Grenzen,Größe,Einwohnerzahl: .

Die Gemeinde Neudorf-Alt liegt am Ostabhange des Sauberges, eines Ausläufers des Spieglitzer Schneebergmassivs gegen Süden, zwischen 580 und 900 m absoluter Seehöhe.

Das Katastralgebiet Neudorf grenzt

im Norden an die Katastralgemeinde Hohenseibersdorf
im Osten an die Katastralgemeinde Waltersdorf
im Süden an die Katastralgemeinde Woitzdorf
im Westen an die Katastralgemeinde Glasdörfel

Das Gemeindegebiet umfaßt eine Fläche von. 320 ha 26 a 74qm und zählte 1930

226 deutsche ,und einen tschechischen Einwohner.

Neudorf, im Vordergrund die Christusstatue, im Volksmund der Ölvater genannt.

Die linke Erhebung im Hintergrund ist der Sauberg, ca. 1074 Meter hoch, die rechte ist der kleine Schneeberg, etwa 12 Meter höher.

Hier sehen wir eine Luftaufnahme aus dem Jahre 1953, von Neudorf.

Ganz unten, etwa in der Mitte sieht man Häuser, die zum Birkendörfl gehören.

Luftaufnahmen aus dieser Zeit haben natürlich nicht die Qualität der heutigen, mit Digitalkameras angefertigten Fotos. Aber sie haben einen unschätzbaren Vorteil: sie wurden vor über 60 Jahren hergestellt, und entsprechen damit annähernd dem Bild, das unsere Eltern und Großeltern vor Augen hatten.

Bildmaterial von : http://kontaminace.cenia.cz

Auf einer Luftaufnahme aus dem Jahre 2006 sieht man, das das Denkmal noch existiert.

Eine zweite Aufnahme zeigt, das man das Denkmal am besten von Hohenseibersdorf erreicht.

Rechts : Das Denkmal

Unten: 1 - Lage des Denkmals auf dem Öhl-Berg, 2 - Die ersten Häuser von Hohenseibersdorf

Aus der Geschichte des Dorfes

Die Geschichte des Ortes ist aufs engste mit der Herrschaft Goldenstein verknüpft, zu welcher es von altersher gehörte.

In einer Urkunde vom 3.Mai 1325 schenkt Johannes, genannt Wustehube, Herr auf Goldenstein, dem Kloster Kamenz in der Breslauer Diözese die Stadt Goldeck (Mähr.Altstadt) mit den von altersher dazugehörenden Niklasdorph, Stubensyfen, Wynrebe, Cunzendorf, Spyllix, Kraftesdorph, Syfridesdorph, Waltersdorph und beide Woytechsdorph.

1563 hat der Herr von Zwol, Erbherr auf Goldenstein und Kunowitz dem Lonhard Leckel genannt zum Neudorf ein frei Gericht zu bauen aufgegeben und ihn auf sein demütig Bitten hin von zwei Huben Erbes und zwei Huben Überschar befreiet. Außerdem begnadete er ihn, Bier selbst zu brauen, Schweidnitzer und Glatzer Bier frei, ohne Gab und Zins zu schenken. Wein darf er 11 Jahre frei schenken und hernach soll er von jedem Eimer Wein einen weißen Groschen abzuführen schuldig sein. Für das Recht der freien Fackelholznutzung weist der Gutsherr die Neudorfer an, dem "Richter" den Wein austrinken zu helfen, wie die anderen Dörfer und bevorrechtet ihn weiter, einen Schuster, Schneider, Bäcker , Fleischer und Leineweber frei halten zu dürfen.

1584 verbrieft der Herr von Würben durch ein Traktat, das seine Leute "nach wie vor" einen halben Gulden zu geben haben.

Die Neudorfer gehörten zu Altstädter Pfarre, in deren Matrik, die bis 1629 zurückreicht, die meisten heute noch gebräuchlichen Familiennamen erscheinen.

Der dreißigjährige Krieg schlägt furchtbare Wunden. Während die Reformation den Bauern und Erbrichtern ihre alten Handfeste und Rechte beläßt, brachte der folgende Absolutismus und die Gegenreformation mit ihren vielfachen Besitzveränderungen schwere Einbußen aller ihrer Rechte und Freiheiten.

Beschwerden der Untertanen waren erfolglos, häufig kamen sie gar nicht in die kaiserliche Kanzlei, und die Beschwerdeführer wurden eingekerkert. Im Jahre 1710 hatten sich die Untertanen der Herrschaft Goldenstein , darunter auch die Neudorfer durch einen Brünner Advokaten unmittelbar an den Kaiser Karl VI gewendet. Nach umständlichen Erhebungen wurden 1713 durch ein kaiserliches Dekret die Roboten und Abgaben genau geregelt. Bauern mußten drei, Inleute einen Tag wöchentlich Robot leisten. Alte Rechte und Privilegien wurden nicht anerkannt. Die Beschwerden und Bedrückungen hörten in Goldenstein nicht auf und erst Kaiser Joseph II, der am 29.September 1779 die Gegend höchstpersönlich bereist und Beschwerden entgegennimmt, brachte auch unseren Bauern wieder bessere Tage.

1705 beginnen die drei Gemeinden Hohenseibersdorf, Waltersdorf und Neudorf mit dem Bau einer eigenen Kirche, da sie bis zu dieser Zeit einen Kirchweg von 11 km nach Altstadt zu machen hatten.

Das Schuberthaus in Neudorf
Die Kapelle in Neudorf

Das Denkmal

Das Christusdenkmal, im Volksmund »Ölvater» genannt, "AUFGERICHTET VON EINEM UNWÜRDIGEN LIEBHABER CARL SCHUBERT AUS NEYDORFF IN NO. 41 ANNO 1780"

Das lebensgroße Sandsteinstandbild zeigt einen knieenden Christus, nach Osten zugewendet, in tiefem Gebete.

Die in einem Landbarock gehaltene Figur zeigt sehr schönen Faltenwurf und edle Gesichtszüge.

Sie steht auf einem Sockel in deutschem Rokoko, der an der Vorderseite den Leitspruch »ER GING NACH SEINER GEWOHNHEIT AN DEN ÖLBERG, LUC. Cap. 22, v. 39» trägt.

Das Denkmal ist von einer Betbank umgeben, in welche Bibelsprüche eingemeißelt sind:

»MEIN SEEL IST BETRÜBT BIS IN DEN TOD» »ICH BIN VOM HÖCHSTEN THRON DIE ÄNDERTE PERSON»,
»AUS LIEB UND LEIB UM DICH SIEHST SO IN AENGSTEN MICH»,
»DIE LEIDENSINSTRUMENT DROHN MIR EIN SCHRECKLICH END» , »ICH HAB DIE KELTER ALLEIN GETRETEN UND ES WAR NIEMAND AUS DEM VOLKE BEI MIR», »DOCH DEINER SÜNDEN GIFT MEIN SEEL NOCH HERBER TRIFFT»,
und "EI ÜB DOCH REU UND BUSS, DANN GEBE DIR LIEBESKUSS".

Die Statue ließ der Flachshändler Carl Schubert vom einem Künstler aufrichten. Nachforschungen ergaben,daß zwischen 1750 und 1780 der bedeutende Rokokobildhauer IgnazGünther und seine Gehilfen in Geppersdorf, ca. 8 km von Neudorf -Alt entfernt, kirchliche Skulpturen geschaffen haben.

Da Ignaz Günther zumeist in Marmor gearbeitet hat und bereits 1775 verstarb, könnte einer seiner Mitarbeiter den Auftrag erhalten haben.

In einem Traktat der Neudorfer verpflichten sie sich, das Denkmal ihres Mitbürgers Carl Schubert, des Großvaters Franz Peter Schuberts (1797-1828), zu erhalten:

Wir Richter und Geschworene der Gemeinde Neudorf Urkunden und bekennen hiermit zur Steuer aller Wahrheit, besonders da es von Nöten, daß, nachdem unser ehrbar benachbarter Carl Schubert, Bauer Nr. 41 , aus eigenen Andachtstrieben eine Statue unseres schmerzleidenden Heilandes auf dem Grunde des ehrbaren Carl Wildner, Bauer in Nr. 31 von Hohenseibersdorf , von Stein hat hauen und mit Bewilligung unserer geistlichen Obrigkeit vollkommen hat aufrichten lassen, als verpflichten und verpfänden wir sich sämtliche Benachbarte der Gemeinde Neudorf, Goldensteiner Herrschaft, daß wir in allen, für diese oben genannte Statuen nicht nur in vollkommenen Stand erhalten und alle Reparierung und Kosten tragen und erstatten wollen, sondern auch wider alles Verhoffen, da dieselbe etwan verkümmert werden sollte, auch wiederum in vollkommenen Stand herzustellen, zu unserer Bekräftigung unserer freiwilligen Bürgnus aber haben wir uns nicht nur eigenhändig unterschrieben, sondern auch unser gewöhnliches Insiegel hiermit wohlwissentlich beigedruckt.

So geschehen in der Gemeinde Neudorf. Bei Gerichten den 1. Mai 1781:

Friedrich Karger, Erbrichter

Johann Wenzel Stanzel, Ältester

Franz Lindenthal

Johann Schubert

Josef Schubert

Josef Mück

Obere Geschworene allda

Die Schubertstätten in Neudorf, das Schuberthaus, das Christusdenkmal und die Ortskapelle wurden durch das staatliche Denkmalamt in Brünn unter Denkmalschutz gestellt. (1935)

Noch eine Bemerkung zu Neudorf:

Auf der Webseite der Großgemeinde Klein Mohrau, zu der Neudorf jetzt neben anderen Gemeinden gehört, ist unter anderem zu Neudorf geschrieben:

Die letzten beiden ständigen Bewohner von Neudorf haben dieses 1999 verlassen.

Es existiert nur noch eine Kolonie von Wochenendhäusern.

Die Übersetzung des Webseiten-Textes wurde mir freundlicherweise vom Ortsbetreuer der Klein-Mohrauer , Herrn Konrad Dittrich, zur Verfügung gestellt.

Die Gemarkungsgröße von 320 Hektar läßt den Schluß zu, daß Neudorf immer nur ein kleines Dorf war. Das Neudorf später wieder unter anderem Namen neu gegründet wurde, legt den Verdacht nahe, daß es nach dem Vernichtungsfeldzug der Hussiten 1432 keine Überlebenden gab.

Neudorf fotografiert im Jahre 2006.

Die Kapelle unten rechts ist vor dem Verfall gerettet und auch wieder geöffnet. Es wurden Gedenktafeln für Franz Schubert aufgestellt, und ein Wanderweg eingerichtet.

© 2010 by Heinrich Winter